Hochkulturen und deren lyrische Botschaften

Lyrik, Poesie sowie die allgemeine Dichtkunst sind heutzutage weit verbreitet. Egal ob zum Geburtstag der Großmutter, zur Hochzeit des Bruders oder zu vielen anderen feierlichen Anlässen – Gedichte, Sprüche und Zitate werden für eine Vielzahl von wichtigen Ereignissen verwendet, um Glückwünsche, tiefe Gefühle oder Dankbarkeit auf eine ganze besondere Art und Weise zum Ausdruck zu bringen.

Blicken wir einige tausend Jahre zurück – genau genommen in die Zeit der alten Hochkulturen. Haben die Sumerer ebenso kurze Verse verfasst? War die Dichtkunst bei den Assyrern verbreitet? Wussten die Perser bzw. Ägypter oder Babylonier eigentlich, worum sich bei Poesie, Lyrik und Dichtkunst handelt? – Die Antwort ist JA!

Natürlich lässt sich die Lyrik und Dichtkunst der alten Hochkulturen nicht mit der heutigen Poesie vergleichen. Reimschemata waren gar nicht bekannt. Des Weiteren war es im Rahmen der Zeit ab 4000 v. Chr. ebenso nicht verbreitet, lyrische Werke in einzelne Verse zu unterteilen. Doch kann man diese Art der Dichtkunst oder einfachen „Schreiberei“, wie wir sie heutzutage nennen würden, überhaupt als Poesie oder Lyrik bezeichnen? – Ja, das ist durchaus gerechtfertigt, denn für die Hochkulturen von damals war ihr Schreiben eine hohe Gabe, über die nicht jeder zu dieser vergangenen Zeit verfügte. Tatsache ist jedoch, dass die Poesie von damals nicht mit der heutigen vergleichbar ist, da sich im Rahmen der allgemeinen Schreibkunst zahlreiche Entwicklungen und Verbesserungen vollzogen haben.

Um einen kleinen Einblick in die Dichtkunst der Hochkulturen geben zu können, sei erwähnt, dass uns allen heutzutage allgegenwärtige und gängige Geburtstagsgedichte, Geburtstagssprüche oder Geburtstagswünsche zur damaligen Zeit nicht üblich waren. Der Geburtstag eines Menschen wurde einerseits nicht intensiv gefeiert, noch machte man sich die Mühe, für das Geburtstagskind einige nette Zeilen zu verfassen. Die Überlegung bzw. vielmehr der Gedanke, für einen Jubilar etwas dichten zu können, war genau genommen nicht präsent.

Vielmehr jedoch machten es sich die alten Hochkulturen zur Aufgabe, für besondere Momente der Liebe einige poetische und ausdrucksstarke Zeilen zu verfassen. Besonders die Ägypter und Babylonier konnten sich dafür begeistern. Spezielle Anlässe, für die die beiden Hochkulturen ihren lyrischen Gedanken und Worten freien Lauf ließen, waren beispielsweise eine Hochzeit bzw. Vermählung oder die Liebeserklärung an einen innig geliebten Menschen. Hochzeiten wurden im alten Ägypten besonders prunkvoll und ausgiebig gefeiert. Teilweise feierten die geladenen Gäste einige Tage bis die Hochzeitsfeierlichen vorüber waren.  Es wurde gespielt, getrunken und ausgelassen getanzt. Zu den großen Höhepunkten einer Vermählung im alten Ägypten zählten einerseits die Brautübergabe sowie das Vortragen ausdrucksstarker Hochzeitsglückwünsche seitens geladener Gäste. Dies war besonders bei reichen ägyptischen Familien der Fall, im Rahmen deren Hochzeiten hoch gestellte Persönlichkeiten geladen waren. Diese hatten die Aufgabe mittels eigens verfasster Hochzeitssprüche dem Brautpaar eine gesegnete Zukunft zu wünschen. Die lyrische Darreichung glich dabei mehr einem Text als einem poetischen Gedicht oder Spruch, für die damalige Zeit jedoch war es ein Zeichen hoher und talentierter Dicht- bzw. Schreibkunst.

Summarisch sei hierbei festgehalten, dass wir den damals vorherrschenden Hochkulturen zu großen Dank verpflichtet sind, denn sie waren es, die der Dichtkunst zu ihrem Dasein verholfen haben. Natürlich waren es die späteren Generationen, die die Poesie zu dem gemacht haben, was sie heute darstellt, aber trotz allem muss es stets jemanden geben, der einem wichtigen Meilenstein zur Startposition verhilft.